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schöpferisch leben
gabriele schmid
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„Kreativität als Weg“                Zur Druckversion

Thesen als Beitrag zu einer evolutionären Kultur

Diese kurzgefassten Thesen dienen zur Orientierung. Sie geben das grundlegende Selbstverständnis aller Veranstaltungen der Wirkstatt wieder - eine Kulturoffensive!

Kreativität (von creare: erschaffen) verstehe ich ale einen Sammelbegriff von Fähigkeiten und Tätigkeiten: Einfälle, Ideen, Visionen, Träume, Eingebungen umsetzen - Lösungen und Wege finden, Möglichkeiten haben, Fragen stellen, improvisieren - schöpferisch, intuitiv, inspiriert, innovativ, experimentell, spielerisch, flexibel sein - divergentes, nicht-lineares, assoziatives, imaginatives Denken (rechte Gehirnhälfte) bevorzugen

1. Jeder Mensch ist vom Wesen her schöpferisch.
Die kreative Kraft und Fähigkeit gehören zum menschlichen „Inventar“, zur Natur. Deshalb kann sie zwar (v)erzogen, manipuliert, unterdrückt, niemals aber ausgelöscht werden. Wir sind Geschöpfe, die als Schöpfer gedacht sind, wir haben die Ressourcen (das Material), um am Akt der Schöpfung /Evolution teilzunehmen. Als Schöpfer können wir uns nur im Erschaffen, d.h. durch wählen erfahren! Im wahrhaft kreativen Tun werden Schöpfer, Geschöpf und Schöpfung eins - ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand, der Himmel und Erde, Geist und Materie vereint, im hier und jetzt!

2. Der Schöpfergeist ist per se intelligent. Kreativität ist eine Triebkraft der Evolution.
Kreativität als universales Prinzip verbindet uns mit der Schöpferkraft, wir können ihr dienen durch die Verwirklichung unserer Begabungen! So kann sie zukunftsweisende Perspektive vermitteln. Kreativität ist den Prinzipien der Harmonie, Schönheit, Intelligenz und Wahrheit verpflichtet.
Innerhalb der Evolution ist Kreativität ein Aspekt des sich selbst reflektierenden Bewusstseins und als Teil eines kulturellen Wertesystems zu verstehen, das der Spezies Mensch eine Zukunft sichert. Nur in der Vision eines Ideals, das den Menschen als offene, unvollendete Möglichkeit definiert, ist die nächste Stufe der Evolution erkennbar. Aus Erfahrung wissen wir, dass sich Evolution durch kreative Beiträge einzelner entfaltet. Jedes Individuum hat die Möglichkeit, durch spezifischen Fähigkeiten einen Beitrag zur Evolution zu leisten!
Die geprägte Funktionsweise des Gehirns/mind/BOX ist auf Überleben und lustvolle Empfindungen (Süchte) ausgerichtet, also an gespeicherter Vergangenheit, an Instinkten (Genen) und Konventionen (überlieferten Werten). Ein kreatives, verantwortliches Bewusstsein dagegen wird sich eher an humanistischen, essentiellen, spirituellen Werten, der Essenz und dem Tanz des Lebens orientieren.

3. Jeder Mensch hat ein natürliches Grundbedürfnis nach kreativem Ausdruck.
Jeder Mensch hat individuelle Begabungen und Fähigkeiten, die nach Manifestation drängen, die sich äußern wollen. Denn Kreativität ist – als Teil unserer Bestimmung - eine bewegende Kraft, sie drängt nach außen. Leidenschaftliche Kreativität (Passion) findet immer Wege, wenn wir uns ihr überlassen. Wird Ausdruck jedoch nicht zugelassen, wirkt diese Kraft im Inneren zerstörerisch als Druck. Kreativität braucht deshalb keine Anerkennung, keinen Erfolg im außen, sie ist innerlich motiviert. Der beglückende Prozess selbst ist die Belohnung.(Voraussetzung: Frustrationen aushalten können) Dieses Glücksgefühl entsteht v.a. dann, wenn individuelle Fähigkeiten, egal ob körperlich oder geistig, mit An- und Herausforderungen in Einklang gebracht werden (ohne Über- oder Unterforderung), in vollkommener Konzentration und Vertiefung auf eine komplexe Aktion. Kreativität ist nicht an bestimmte Tätigkeiten gebunden, sie ist wertneutral, wir sind verantwortlich für die Ergebnisse!

4. Das Leben ist unser größtes schöpferische Projekt – kreativ oder reaktiv gestaltet! Leben ist ein fortwährender Schöpfungsprozess. Denn wir erschaffen in jedem Moment, bewusst oder unbewusst, uns selbst, unsere Realität: durch denken, wahrnehmen, wählen, interpretieren... . Wir allein geben unserem Leben Richtung, Sinn und Bedeutung. Was wir wählen, erschaffen wir: entweder kreativ, individuell und mutig (als Original, als das wir geboren wurden) oder reaktiv, mechanisch und angepasst (als Imitat, zu dem wir sozialisiert wurden). Wir sind Maler unseres Lebensgemäldes! Das Leben zu unserem kreativen Projekt zu erklären, erfordert bereits bewusste schöpferische Intelligenz: Lebenskünstler zu sein, genügt – vielleicht liegt darin die wahre Kunst!

5. Kreativität entsteht aus dem NICHTS, dem Unbekannten!
Die Quelle der Kreativität ist intuitiv in unserer eigenen Innerlichkeit und Tiefe, dem Weltinnenraum, zu erspüren oder als Inspiration/Idee aus dem universellen Energiefeld, dem TAO, der Leerheit (die Fülle ist), Point Zero – dem Nullpunkt,... zu empfangen. Kreativität finden wir an einem magischen Ort der Selbstvergessenheit, in einem Zustand des SEINS und der Begeisterung. Kreativität folgt der Sehnsucht, mit dem Schöpferstrom eins zu werden, mitzufließen, sich tragen lassen - von Moment zu Moment, in Verbindung mit der ewigen Quelle, der schöpferischen INTELLIGENZ DES UNIVERSUMS. Deshalb erfordert wahre Kreativität Forschergeist und Mut, denn uns dem Unbekannten zu überlassen, macht dem Verstand, der alles planen und kontrollieren will, Unbehagen und Angst.

6. Kreativität macht Unsichtbares sichtbar.
Kreativität ist immer Spur, Abbild (eines Urbilds), Manifestation oder Offenbarung, je nachdem, was sich äußert – ist Entäußerung. Das kann unsere Subjektivität, also unsere Psyche, unsere persönliche Erfahrung, Befindlichkeit und Prägung sein, es kann aber auch Objektivität sein, die durchscheint, wenn wir durchlässig genug sind für Ideen, Bilder und Wahrheiten, die größer sind als wir selbst. Die Energie-Information des Resultats macht den Unterschied deutlich.

7. Kreativität ist nicht zu machen, zu wollen, zu lernen, zu wissen, zu kaufen...
Sie kann nur im eigenen Tun, das ein NICHT-TUN ist, im Fühlen, in einem Erfahrungsprozess befreit, zugelassen, entdeckt, gefördert werden. Kreativität meint geschehenlassen, ES wirken lassen, beiseite treten – es gibt nichts damit zu machen! Der Forschergeist, der uns in die Wiege gelegt ist, drängt uns, unsere Fähigkeiten beständig zu erweitern, über unsere Grenzen hinauszuwachsen, Neues zu entdecken. Kreativität ist ein komplexer, paradoxer Vorgang, der Wachstum und Selbstwert fördert.

8. Kreativität erfordert Hingabe und Vertrauen.
Ein Zustand von Selbstvergessenheit, Vertiefung, konzentrierter Aufmerksamkeit, Wachheit, Stille (Gedankenleere), Gegenwärtigkeit wird FLOW genannt (s. Csikszentmihalyi), erkennbar an einem Gefühl von Fließen, Zeitlosigkeit, Einheit und Weite. Diese völlige Hingabe ans Tun überwindet die Polaritäten von Ich und Du/Es, von Innen und Außen, von aktiv und passiv, von richtig und falsch, der Schöpfer und sein Werk werden eins, das Verstandes-Ich verschwindet momentan. Sich selbst zu vergessen bedeutet nicht, sich selbst zu verlieren, sondern sich (es) zu finden.

9. Kreativität genügt sich selbst.
Sie folgt dem Prinzip der Grundlosigkeit, findet Erfüllung in sich selbst: „einfach so – so einfach“ ( zu einfach, als dass es der Verstand verstehen könnte). Schöpferisch zu wirken bringt Freude und Glück! Kreativität ist eine Tätigkeit, die selbstmotiviert (intrinsisch), um ihrer selbst willen geschieht (autotelisch) Entscheidend dabei ist nicht eine bestimmte Tätigkeit, vielmehr der Bewusstseinszustand dabei! Liebe, was du tust und tu, was du liebst!

10. Kreativität braucht bedingungslose Freiheit (no-mind).
Sie gehorcht keinen Regeln, lässt sich nicht planen, kontrollieren, erklären. Sie folgt keiner Absicht, keinem Ziel, keinem Zweck, keinem Konzept. Sie entzieht sich jeder gesellschaftlichen Akzeptanz und Kommunikation. Kreativität kann nur in der Freiheit von Vernunft, Logik, Linearität (linke Gehirnhälfte, konvergentes Denken) gedeihen, jedes Urteil, jede Kritik und Bewertung manipuliert. All das sind Tätigkeiten des Mind, der BOX, der Ego-Persönlichkeit. Kreativität kann sich nur im Zustand von no-mind entfalten, in einer ego-freien Zone. Es braucht also offensichtlich einen Befreiungsakt, ein Rückgängigmachen und Lösen von Konditionierungen und Blockierungen, eine Prise Verrücktheit - das wird vom EGO als riskant und unbequem gedeutet.

11. Kreativität folgt der Intuition, Intuition ist unmittelbar und nicht-linear.
Sie ist immer intelligent und heilsam, niemals vorhersehbar und linear. Die Seele gibt ihre Bilder intuitiv und gefühlt preis, es braucht den unmittelbaren, spontanen Ausdruck, das Vertrauen, sich von den inneren Impulsen führen zu lassen, das Erspüren und Zulassen: Dem Prozess vertrauen in dem Bewusstsein, dass Intuition intelligenter ist als der intellektuelle Verstand, der begrenzt ist.

12. Kunst oder nicht, das ist nicht die Frage!
Kreativität als natürliche Gabe und Bedürfnis ist von Kunst als Begriff zu unterscheiden, der bereits künstlich (also definierbar) ist. Die Vorstellung, ein (verhinderter) Künstler zu sein, kann sowohl einer neurotischen Idee als auch dem authentischen, inneren Verlangen nach Ausdruck und Bestimmung entstammen. Es lohnt sich, den Unterschied für sich heraus zu finden. Ein Kunstwerk dient der öffentlichen Kommunikation, ist deshalb auch auf Resultate hin orientiert. Wenn ein kreatives Werk zur Kunst wird, braucht es weitere Stufen (Vervollkommnung).

Zusammenfassung:
Kreativität macht einfach glücklich und lebendig!


Copyright Gabriele Schmid
Göttingen, November 2006




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